Interview in THE SPOT

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„Eine schlichte Vernunftentscheidung“:

Martin Moszkowicz zu seinen Plänen als unabhängiger Produzent.

Seit 2024 ist Martin Moszkowicz nach seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Constantin wieder als unabhängiger Produzent tätig. Kino-Produzent, wie er selbst betont. Mit THE SPOT sprach er über die Projekte, die er bereits im Köcher hat, über vertikale Trends und den Wert von KI, über den Zwang zur Innovation – und den notwendigen Fokus auf das Publikum.

von Marc Mensch

Zu Martin Moszkowicz:

Martin Moszkowicz, geboren am 25. April 1958, ist ein deutscher Filmproduzent. Nachdem er als Produktionsleiter, Line Producer und Produzent gearbeitet hatte, kam er Anfang der 1990er Jahre zur Constantin Film. Er arbeitete dort zunächst als Produzent und wurde später Geschäftsführer und Mitglied der Geschäftsleitung – mit der Position des Produktionsleiters. Von 2014 bis Februar 2024 war er Vorstandsvorsitzender. Nach seiner Amtszeit ist er weiterhin als Produzent tätig.

Als Produzent, ausführender Produzent oder Koproduzent war Moszkowicz bislang an der Produktion von über 300 nationalen und internationalen Filmen und Fernsehsendungen beteiligt, darunter unter anderem Erfolgsreihen wie „Fack Ju Göhte“, „Resident Evil“, „Ostwind“ oder „Die Vorstadtkrokodile“. Seine Verdienste um die Filmindustrie wurden mit mehreren renommierten Preisen gewürdigt, darunter 2022 der CinemaCon Career Achievement in Film Award und 2024 der Carl Laemmle Produzentenpreis. Neben seiner Tätigkeit als Produzent wurde Moszkowicz 2019 zum Honorarprofessor an der HFF München ernannt.

Mehr als 300 nationale und internationale Kinofilme und TV-Sendungen tragen seinen Namen als Produzent, Ko-Produzent oder ausführender Produzent, seit Ende Februar 2024 ist Martin Moszkowicz, der seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Constantin damals nicht verlängerte, wieder als unabhängiger Produzent tätig – mit rund 15 Projekten in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung. Mit THE SPOT sprach Moszkowicz über seine aktuellen Pläne, die Lage der Produktionsbranche, aktuelle Trends, denen er sich widmen will – und nicht zuletzt über die Bedeutung des Kinos.

„Schlecht“, „miserabel“, „dramatisch“, „düster“ sind Adjektive, mit denen die Stimmung innerhalb der Produktions- und Dienstleistungsbranche nun schon seit geraumer Zeit beschrieben wird. Wie sehen Sie die Lage – und wie ist ihre eigene Stimmung?

Martin Moszkowicz: In den vergangenen zwei Jahren war man in der Tat sehr auf die Herausforderungen fokussiert, vor allem auf die verschlechterte Auftragslage, zu der nicht zuletzt die neue Zurückhaltung der Streamer beigetragen hat. Daneben standen steigende Kosten im Fokus, die sich durch alle Bereiche bis hin zum Marketing ziehen. Das Kinogeschäft selbst wiederum war schon vor der Pandemie von einer gewissen Volatilität geprägt, das hat sich durch die Pandemie nicht verbessert. Die Branche verändert sich – aber noch schneller verändert sich das Publikum. Wir bewegen uns gerade von einer IP-basierten Ökonomie zu einer aufmerksamkeitsgetriebenen Ökonomie. Die Zeit, die für digitalen Konsum aufgewandt wird, steigt kontinuierlich an. Allerdings lässt sich Vieles von dem, was sich auf den diversen Plattformen abspielt – ich rede jetzt insbesondere auch von TikTok, Instagram, YouTube & Co. – vor allem auf Produktionsebene noch nicht so richtig monetarisieren.

„Im Low-Cost-Bereich zu experimentieren, ist eine erfolgversprechende Strategie“

Das klingt im ersten Moment, als würden Sie auch gleich eines der genannten Adjektive zücken …

Martin Moszkowicz: Nein, ganz und gar nicht. Es geht vielmehr darum, dass wir als Branche auf Trends reagieren und uns anpassen müssen. Ich bin seit jeher viel unterwegs und sehe mir genau an, was in der Welt passiert. Gerade in Asien ist ein hochinteressanter Trend zu beobachten. Dort sind diese schwer monetarisierbaren Inhalte zunehmend die sprichwörtlichen Testballons. Im Low-Cost-Bereich wird ergründet, was beim Publikum zieht, dort wird Aufmerksamkeit generiert, eine Fanbasis aufgebaut – und dann spannt man den Bogen weiter. Dann geht es in die Bereiche, in denen sich Geld verdienen lässt. Auch und vor allem ins Kino. Denn bei aller Volatilität, die sich vor allem in mitunter etwas stärker schwankenden Jahresergebnissen ausdrückt, ist der Markt unverändert grundsolide. Ohne die Upside durch Kinoauswertung kann man meiner Ansicht nach kein großes Produktionsunternehmen vernünftig führen. Natürlich kommt es auf die Ausreißer an, daran hat sich nichts geändert. Das Problem ist, dass Filmherstellung und -auswertung schon immer ein teures Geschäft waren. Ergo besteht die Notwendigkeit, die Zahl der Misserfolge zu reduzieren. Im Low-Cost-Bereich zu experimentieren, ist eine erfolgversprechende Strategie.

Die von Ihnen angesprochene Abkehr von der „IP-basierten Ökonomie“ mag sich zumindest im Kino nicht so recht in den Ergebnissen widerspiegeln.

Martin Moszkowicz: Neben der Konzentration auf Streamingproduktionen haben sich viele deutsche Firmen im Kinobereich zu sehr auf die Erfolge verlassen, die ihren Ursprung in den letzten Jahren hatten. Beides ist gefährlich und nicht zuletzt deshalb sind die meisten inzwischen zu schmelzenden Eiswürfeln geworden, die sich immer weiter reduzieren. Selbstverständlich macht es Sinn, eingeführte IPs weiter zu pflegen. Aber das ist jeweils ein endliches Spiel. In aller Regel lässt der Erfolg in der dritten, vierten oder fünften Inkarnation dann ja doch nach. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber grundsätzlich besteht die Herausforderung doch darin, neue IPs zu finden, neue Franchises aufzubauen, die dann eine Lebensdauer von vielen Jahren haben. Dafür reicht nicht allein der Griff ins Bücherregal zu den Bestsellern, dafür reicht es nicht, nur auf vermeintlich Verlässliches zu setzen. Was zunehmend fehlt, ist der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen, Neues zu versuchen. Auch auf einer starken Basis kann man nicht in alle Ewigkeit mit immer neuen Iterationen aufbauen. Wir brauchen neue Franchise-Starter, das, was man in der Kreativitätswissenschaft als sogenannte „Moonshots“ bezeichnet. Wenn ich mich in Europa so umschaue, gibt es eigentlich in allen großen Filmländern jedes Jahr solche außergewöhnlich frischen Erfolge, in Deutschland setzen wir hingegen ausgesprochen stark auf bekannte Marken. Das ist im Grunde völlig in Ordnung, ich will das keineswegs schlechtreden. Aber ich schaue einfach weiter nach vorne. Und gerade das vergangene Jahr in Hollywood lieferte ein Musterbeispiel dafür, was man mit Non-Sequel-Stoffen erreichen kann.

Sie sprechen von Warner?

Martin Moszkowicz: Richtig. Das war schon exorbitant, was dort mit Filmen erreicht wurde, die vorwiegend keine Sequels waren, denken wir nur an „Weapons“, „Blood & Sinners“, „Minecraft“, „F1“ oder „One Battle After Another“.

Gerade letzterer Film muss sich gefallen lassen, in der Presse mitunter als kommerzielle Enttäuschung tituliert zu werden, weil er nicht wenigstens das Zwei- bis Zweieinhalbfache seines Produktionsbudgets in den Kinos einspielen konnte. Geht man an die wirtschaftliche Bewertung von Kinofilmen – insbesondere in Abgrenzung zu reinen Streaming-Produktionen – zu konservativ heran?

Martin Moszkowicz: Ich denke, dass wir als Branche generell dazu neigen, uns zu sehr an altmodischen Bewertungsmodellen zu orientieren. Eine kurzfristige Betrachtung, die sich von einem Quartal zum nächsten bewegt, mag bei börsennotierten Unternehmen in der Natur der Sache liegen. Aber de facto ist es tatsächlich so, dass sich der Wert solcher Projekte und insbesondere von Franchises nicht nur an der Kinokasse bemisst. Gerade in Abgrenzung zur Kurzlebigkeit vieler Inhalte, die nur für TV oder Streaming gedacht sind, stehen Kinoprojekte für langfristigen Wert. Nicht umsonst werden Unternehmen auch am Wert ihrer Filmbibliotheken gemessen. Natürlich hätte man in einem Meeting 100 Gründe dafür finden können, warum man einen Film wie „One Battle After Another“ niemals produzieren dürfte. Aber man hat es getan – und es wird sich über die Zeit auszahlen. Von der Strahlwirkung, die ein solcher Erfolg in der kreativen Community hat, einmal ganz abgesehen. Ich will jetzt nicht dafür plädieren, dass man bei der Projektplanung nicht mehr kritisch denkt, dafür geht es schließlich um zu viel Geld. Aber etwas mehr Fantasie und etwas mehr Mut wären wichtig, um mit den sich verändernden Sehgewohnheiten Schritt zu halten.

„Kreativität wird auf absehbare Zeit immer eine zentrale menschliche Komponente benötigen“

Mut muss man sich am Ende des Tages aber dann doch leisten können …

Martin Moszkowicz: Ja, Produktionskosten sind hoch. Manchmal zu hoch. Und manchmal geradezu prohibitiv, wenn es darum geht, etwas auszuprobieren. Deswegen plädiere ich dafür, über den Tellerrand zu blicken. Wir müssen uns überlegen, ob diese eingefahrenen Wege mit riesigen Teams und langen Drehzeiten noch die richtigen sein können. Ich will nicht behaupten, dass mit KI schlagartig alles günstiger wird, ganz im Gegenteil. Der digitale Fortschritt hat in der Produktion und gerade in der Postproduktion ganz neue Möglichkeiten geschaffen und unter dem Strich vielleicht auch Zeit eingespart. Aber nennenswert günstiger, wie bei fast allen technologischen Entwicklungen, wurde das Geschäft dadurch nicht. Gerade deswegen plädiere ich dafür, sich mit Phänomenen wie den „Duanjus“ oder „Verticals“ auseinanderzusetzen. Ich wäre vermutlich nicht der Richtige, um selbst derartige vertikale Serien zu produzieren, zumindest nicht für diese extrem niedrigen Budgets – weil ich eben aus der Welt des großen Kinofilms komme. Aber ich arbeite eng mit einem Unternehmen zusammen, das erfolgreich auf diesem Gebiet tätig ist – und ich sehe das Potenzial, sich mit geringsten Mitteln auszuprobieren, um dann im besten Fall ein größeres Rad drehen zu können, wenn es gelingt, Menschen zu überzeugen.

Stichwort KI: Das für Sie damit verbundene Versprechen lautet also nicht primär „effizienter und günstiger“?

Martin Moszkowicz: KI hilft natürlich dabei, einzelne Prozesse stromlinienförmiger zu gestalten. Aber wenn wir von „effizienter und günstiger“ sprechen, schwingt doch immer die Angst der Filmschaffenden vor dem massiven Jobabbau mit – und den sehe ich nicht. Selbstverständlich werden sich Tätigkeiten verändern. Aber Kreativität wird auf absehbare Zeit immer eine zentrale menschliche Komponente benötigen. Eine KI liefert im Grunde schlicht die Summe der größten Wahrscheinlichkeiten. Aber genau die brauchen wir nicht – sondern die Ausnahmen. Ich bin nicht blauäugig. Ich denke schon, dass KI nicht spurlos an den Inhalten vorbeigehen wird, gerade im TV-Tagesprogramm wird es Content geben, den man Algorithmus-getrieben aufsetzt. Aber für mich persönlich kann ich sagen, dass ich noch kein KI-generiertes Drehbuch gelesen habe, das mich hätte überzeugen können. KI kann Kreativität nicht ersetzen, sie kann sie nur fördern – als eine Art Sparringspartner. Ich habe mich intensiv damit auseinandergesetzt, wo mir KI wirklich helfen kann. Das ist eben vor allem in jenem Bereich, wo es darum geht, Ideen zu wälzen, Stoffe zu analysieren. Ich bin ein großer Fan von KI. Die Vorstellung, KI allein würde schlagartig alles günstiger machen, halte ich dennoch für naiv. Und natürlich wird man nicht ohne Regulierung auskommen, dazu ist KI einfach ein zu mächtiges Tool – sicher die umfassendste technologische Entwicklung seit der industriellen Revolution.

Sehen Sie tatsächlich die Chance einer effektiven Regulierung auf europäischer Ebene?

Martin Moszkowicz: Es ist wahnsinnig schwierig, eine weltweit praktisch schrankenlos verfügbare Technologie in die Schranken eines verantwortungsvollen Umgangs zu verweisen. Aber es gibt durchaus Beispiele für Felder, in denen es über viele Jahrzehnte hinweg gelungen ist, Normen zu schaffen, die international im Großen und Ganzen eingehalten werden – und dabei spreche ich nicht zuletzt vom Urheberrecht, das ganz zentrale Fragestellungen rund um KI berührt. Letztlich ist es aus meiner Sicht gleichgültig, für wie schwierig man das Unterfangen hält. Dass KI ein gewisses Maß an Regulierung benötigt, ist Konsens unter allen, die sich tagtäglich damit befassen. An einer Regulierung führt kein Weg vorbei.

Kommen wir zu Ihrem eigenen Weg. Wo führt er Sie gerade hin, was haben Sie im Köcher?

Martin Moszkowicz: Zunächst einmal bin ich wirklich glücklich, dass ich diesen Schritt in die Unabhängigkeit gegangen bin und frei von den Herausforderungen und Beschränkungen agieren kann, die die Leitung eines großen Unternehmens mit sich bringt. Die Constantin Film war unter meiner Führung stets erfolgreich, aber natürlich muss man sich auch dort mit den Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Ich arbeite heute mit großem Enthusiasmus als unabhängiger Kino-Produzent, dem Beruf, mit dem ich meine Karriere begonnen habe – und ich will die Herausforderungen auf dieser Ebene mit größtmöglicher Freiheit angehen. Aktuell arbeite ich an gut 15 Projekten, die sich in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung befinden und von denen ich hoffe, dass die ersten spätestens Anfang kommenden Jahres in die Produktion gehen.

Sind das deutschsprachige oder internationale Projekte?

Martin Moszkowicz: Beides. Ich arbeite mit Partnern, die über den ganzen Globus verteilt sind, vor allem in Frankreich und den USA, aber nicht zuletzt auch im asiatischen Raum. Tatsächlich arbeite ich sehr stark mit Rechten an Mangas, Webtoons und Animes aus Japan, Taiwan und Südkorea, denn von dort kommen derzeit die größten Trends. Acht der zehn größten Pop-Culture-Franchises sind asiatisch, Filme wie „Kpop Demon Hunters“ oder „Demon Slayer“ werden mittlerweile zu weltweiten Phänomenen. Wir erleben hier gerade eine unglaublich spannende Entwicklung.

„Im Kern bin ich auf das Kino fokussiert“

Können Sie darüber hinaus schon konkrete Projekte benennen, mit denen Sie sich befassen?

Martin Moszkowicz: Ja, ein paar kann ich schon nennen. Ich arbeite gerade gemeinsam mit britischen Autoren an einer Adaption des Bestsellers „Tyll“ von Daniel Kehlmann, bei dem die erste Drehbuchfassung im Lauf dieses Jahres fertig werden sollte. Ich arbeite an einem deutschsprachigen Remake von „The Land of Short Sentences“, einer Romantic Comedy, die im Heimatland Dänemark ein riesiger Erfolg war. Ich arbeite gemeinsam mit SamFilm an einem zeitgenössischen „Romeo & Julia“-Stoff von Soleen Yusef, einer großen Liebesgeschichte unter Teenagern, die in Berlin spielt. Und es gibt noch ein besonderes Herzensprojekt für mich, weil ich es gemeinsam mit meiner Frau angehe: Ich habe das Buch „Sein oder Nichtsein“ von Klaus Pohl optioniert und entwickle daraus einen Kinofilm, eine „Prä-MeToo“-Geschichte mit dem Blick aus der „Post-MeToo“-Zeit. Außerdem habe ich eine Reihe von Manga- bzw. Webtoon-Stoffen, die ich mit internationalen Partnern entwickle. Und schließlich arbeite ich zusammen mit Briskpace Studios an einem englischsprachigen Remake von „Dieses bescheuerte Herz“, das Juliette Towhidi („Love, Rosie“) schreibt und an einer Verfilmung der Graphic Novel „La Casa“ des großen Paco Roca.

Welche Auswertungsschiene steht für Sie im Fokus?

Martin Moszkowicz: Grundsätzlich bin ich an dieser Stelle durchaus offen. Ich bin an einem seriellen Fernsehprojekt dran und ich arbeite gemeinsam mit einem großen US-Studio an der Entwicklung von seriellen Projekten für eine Streaming-Plattform. Aber das sind absolute Ausnahmen, im Kern bin ich auf das Kino fokussiert.

Ist das eine vorwiegend emotionale Fokussierung?

Martin Moszkowicz: Natürlich steckt dahinter auch der Enthusiasmus, die Liebe zu einem Medium, dem ich mein ganzes berufliches Leben gewidmet habe. Letzten Endes ist es aber auch eine schlichte Vernunftentscheidung. Wie ich schon sagte, könnte meiner Ansicht nach keines der ganz großen Produktionsunternehmen ohne das Kino existieren, egal ob wir nun von US-Studios oder deutschen Marktteilnehmern sprechen. Das hängt auch schlicht mit den Erlösstrukturen zusammen. Bei den Inhalten für die digitalen Plattformen findet – wie auch im Streamingbereich – die Monetarisierung auf Plattformebene statt, nicht auf Produktionsebene. Als Produzent aus Überzeugung will ich aber natürlich an dem, was ich mit erheblichen Investitionen an Kreativität, Zeit und Geld kreiert habe, mitverdienen – und vor allem sollen auch die Kreativen mitverdienen, mit denen ich zusammenarbeite.

Sie hatten eingangs bereits von der Volatilität des Kinogeschäfts gesprochen – Anfang Februar sah es zumindest im deutschen Markt ausgesprochen gut aus.

Martin Moszkowicz: Ich freue mich natürlich wahnsinnig, dass es gerade so gut läuft – und dass das vor allem für den deutschen Film gilt. Aber während jetzt schon wieder Euphorie aufkommt, sah das Stimmungsbild vor ein paar Monaten noch ganz anders aus. Selbst nach vielen Jahrzehnten andauernder Auf- und Abbewegungen haben es Viele noch nicht gelernt, weniger kurzsichtig zu agieren. Es wird auch wieder schwieriger werden, dann sollten wir uns nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen. Ich habe immer gesagt, dass die Menschen kommen, wenn die richtigen Filme kommen. Das sehen wir gerade eindrucksvoll – und das gibt hoffentlich jenen Rückenwind, die mit ein wenig mehr Risikofreudigkeit an Stoffe herangehen. Am Ende des Tages geht es auf Verleihebene um einen Portfolio-Ansatz, um die Menge an Chips, die man an den Spieltisch mitbringen muss, um eine realistische Chance zu haben, zu reüssieren. Diese Chips muss ihnen die Produktion aber auch in die Hand geben können – und ich hoffe sehr, dass die politischen Rahmenbedingungen dafür nun endlich abgesteckt sind. Über Jahre hinweg mit einem Fuß auf der Bremse zu fahren, weil die Politik nicht in die Puschen kam, war gefährlich. Auch wenn jetzt endlich eine sehr wichtige Einigung erzielt wurde, fürchte ich, dass wir die Auswirkungen noch über Jahre hinweg spüren werden. Schließlich werden die grundlegenden Entscheidungen für die großen Produktionen zwei bis drei Jahre im Voraus getroffen.

Dass es zunehmend schwieriger geworden ist, die „richtigen“ Filme zu finden, lässt sich trotz der Erfolge gerade der jüngeren Vergangenheit kaum leugnen. Müssen Filme und Filmschaffende tatsächlich zunehmend „politisch“ sein, wie das regelmäßig zu hören ist?

Martin Moszkowicz: Ein Großteil der deutschen Filme ist ohnehin in der einen oder anderen Form politisch, zumindest gesellschaftspolitisch. Dagegen spricht auch nichts. Dennoch engen wir uns als Branche mitunter ein und machen uns zu sehr von Debatten abhängig, die mit dem Publikum nur wenig zu tun haben. „Darf man das machen?“ ist eine Frage, die heutzutage mitunter zu verbissen diskutiert wird. Wir verheddern uns teils zu sehr in Abwägungen, die einfach schwierig sind, aber nicht unbedingt unterhaltend – eine gute Comedy zum Beispiel lebt ja auch von einer gewissen „political incorrectness“. Im Zentrum des produzentischen Denkens sollte doch zuallererst das Publikum stehen. Die Akzeptanz beim Publikum ist übrigens auch die einzige objektive Messlatte. Es geht zunächst einmal um eine ganz zentrale Herausforderung: Auf der einen Seite will es nicht nur hundertfach Durchexerziertes sehen, sondern es will neue, frische Stoffe. Auf der anderen Seite gehen die Menschen schlicht und ergreifend nicht mehr aufs Geratewohl ins Kino. Sie wollen wissen, worauf sie sich einlassen. Sich auf diesem schmalen Grat zwischen Vertrautem und Innovativem zu bewegen, ist die Herausforderung, der unsere primäre Aufmerksamkeit gelten sollte. Was kann Menschen über zwei Stunden hinweg bei der Stange halten, welches Erlebnis ist ihre Zeit wert? Das ist die Kernfrage im „out of home based entertainment“. Kino darf und soll zum Nachdenken anregen. Aber das kann nicht die oberste, die einzige Maxime sein. „Fack Ju Göhte“ ist ein Paradebeispiel für das, was ich eingangs über „Moonshots“ gesagt habe. Er hat das in Deutschland etablierte Genre der Schulkomödie auf ein ganz neues Level gehoben, war spielerisch vielfältig, sprach zu einer jungen Zielgruppe, funktionierte aber generationenübergreifend. Diese Art von Film ist im Grunde das Ideal von Vertrautem, das eingefahrene Bahnen verlässt.

Um dennoch abschließend den Bogen zum Microdrama-Trend zu schließen: Wird es denn auch künftig die Bereitschaft geben, der großen Leinwand zwei Stunden oder mehr an Aufmerksamkeit zu gönnen?

Martin Moszkowicz: Ehrlich gesagt bin ich persönlich der Ansicht, dass viele Kinofilme tendenziell etwas zu lang sind, das verstehe ich schon kostenseitig nur bedingt. Aber es zeigt sich, dass die Menschen offenbar kein Problem damit haben; die ganz großen kommerziellen Filme sind nur noch selten kürzer als zwei oder zweieinhalb Stunden. Und um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Wenn wir von vertikalen Inhalten und von Kinofilmen sprechen, dann sprechen wir von völlig unterschiedlichen Nutzungssituationen. Das eine lässt sich als „snackable content“ wunderbar „to go“ konsumieren. Wo man früher am Bahnsteig nur auf die Uhr starrte, schaut man jetzt eben ein, zwei Folgen eines Duanjus. Das bedeutet nicht, dass sich junge Menschen nicht auch für längere Inhalte begeistern könnten. Das sind einfach zwei völlig unterschiedliche Welten, von denen die eine aber wichtige inhaltliche Impulse für die andere geben kann. Ich denke, dass vor allem der Wettbewerb zwischen dem linearen TV, den klassischen Streamern und Plattformen wie YouTube weiter an Schärfe zunehmen wird. Gerade YouTube fährt im Moment die größte Marketingoffensive seiner Geschichte. Am Ende des Tages geht es für die Branche und für mich als Produzenten darum, flexibel zu sein und nach vorne zu schauen. Veränderung ist ein ständiger Begleiter. Und das ist auch gut so.

Das Gespräch mit Martin Moszkowicz führte Marc Mensch.


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